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Jetzt oder nie – Ultramanie !!

Deutsche Fankurven sind fröhlich und laut, schrill und bunt. Für den neutralen Zuschauer immer wieder beeindruckend, die Fernsehbilder zu sehen, große Blöcke mit riesigen Choreographien. Von den Medien einerseits gehypet, andererseits niedergeschmettert. Doch wem verdanken wir diese Stimmung? Den treuesten der treuen, den Fans, die den Verein über alles lieben und mit ihm zur Not bis hinunter in die Kreisliga A gehen würden, den Ultras.

Doch stimmt das überhaupt? Wer sind Ultras? Was wollen Sie? Wollen Sie uns, und wollen wir Sie?

Der Begriff Ultra ist in meinen Augen schwer zu fassen. Ultras definieren sich selbst auch ganz unterschiedlich. Sie werden oft einfach als „fanatische Fans“ gesehen, aber das alleine reicht nicht aus. Es ist eine feste Gruppierung, in sich geschlossen mit festen Strukturen und Hierarchien. Es gibt einen Capo, er steht mit den Rücken zum Spielfeld und sieht es als seine Aufgabe an, den Fanblock anzuheizen. Die Gruppe trägt keine Trikots, erst recht keine „Kutten“ (Jeansjacken mit mehr oder weniger (eher weniger) unterhaltsamen Aufnähern. Die älteren werden es kennen, die Jüngeren vielleicht nicht mehr, denn Kutten sind heutzutage eigentlich komplett out).

Eine Kutte. Und dann auch noch von Hertha BSC...
Eine Kutte. Und dann auch noch von Hertha BSC…

Teilweise tragen sie nichts, was auf den Verein schließen läßt. Entweder einfach schlichtes schwarz, oder etwas Gruppen-Internes, eine Ultra-Kollektion. Ultras sind gegen Kommerz, den modernen Fussball, Willkür bei der Vergabe von Stadionverboten und nicht-Traditionsvereine. Sie treffen sich, malen Transparente und bereiten Choreographien vor. Und sie sind nicht zwangsläufig Hooligans, auch wenn das die Medienlandschaft bis heute nicht richtig kapiert hat.

So weit so gut. Alles lobenswerte Ziele, gegen die ich im Prinzip nichts einzuwenden habe. In der 11Freunde Ausgabe vom Dezember 2008 wurde die Ultra Bewegung beschrieben, dabei ist mit der provokante Satz im Gedächtnis geblieben „Ultras machen die Stimmung in den Stadien kaputt“. Damals konnte ich damit nichts anfangen, so langsam verstehe ich aber, was wohl gemeint sein muss..

In letzter Zeit gehen mir Ultras nämlich auch ziemlich auf den Nerv (man darf dabei sicher nicht alle in einen Topf werfen, aber die Tendenz geht in die Richtung). Die Ultra Bewegung verliert in meinen Augen das wesentliche Ziel aus den Augen: die Mannschaft zu unterstützen und mit den Fans gemeinsam für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Pubertierende Jugendliche nennen sich Capo und stehen auf dem Podium im Block. Die ganze „Stimmung“ wird angeleitet. Sie ist unabhängig vom Verlauf des Spiels (das der Capo ja ohnehin nicht sieht). Wenn situationsbedingt Fans mal wagen, etwas anzustimmen, wird es teilweise durch den Capo unterbunden, mit einer Geste, man möge ruhig sein. Dann leitet er ein Lied an, was aber gefälligst dann alle mitzusingen haben. Ist es ihm nicht laut genug oder machen nicht genug Leute mit (oder ist es davon unabhängig!?), brüllt er permanent in bester 9Live-Moderatoren-Manier mit hochrotem Kopf Sachen wie „lauter!!“ – „was ist denn los mit euch??“ – „wacht mal auf jetzt!!“ in die eigenen Fans.

Ganz ehrlich, liebe Ultras: Ich bin mit Leib und Seele mit dabei, gehe vielleicht länger zum Fussball, als ihr Jahre alt seid. Aber ich möchte gerne selber entscheiden, wann und was ich mitsinge und wie laut. Durch eine höher erzwungene Lautstärke kann ich beim besten Willen auch einfach keine bessere Stimmung im Block erkennen. Und es soll sogar Fans geben, die noch aufs Spielfeld gucken, und sich auch mal ärgern, wenn die Mannschaft den letzten Rotz zusammenkickt.

Gemeinsame Sache machen!

Die Ultra Bewegung tut sich in meinen Augen keinen Gefallen damit, sich zunehmend von den herkömmlichen Fans zu distanzieren und gegen Sie zu arbeiten. Es sollte vielmehr das Ziel sein, wieder gemeinsam etwas für den Verein zu tun. In welcher Form auch immer, soll doch bitte jedem selbst überlassen bleiben. Sonst werden sich immer mehr Fans von den Ultras abwenden und die Stimmung tatsächlich – wie in der 11Freunde beschrieben – darunter leiden. Und das will doch eigentlich niemand.

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